Unser Partnerschaftstreffen fand 2026 in Mainz, in Deutschland statt. Bei der Planung kam uns zugute, dass ich vor einigen Jahren dieses Ziel schon für das Treffen der nord-west-Sektionen organisiert hatte.
Am Mittwoch reisten 10 französische und 8 deutsche Jumeleure ins B & B Hotel an. Das Hotel ist in der Nähe des Hauptbahnhofs Mainz gelegen und ein guter Ausgangspunkt für unser geplantes Programm.
Schon am Nachmittag besuchten wir zu Fuß das „Fastnachtsmuseum“ in Mainz. Das Museum wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern geführt. Der 1. Vorsitzende des Museums führte uns mit vielen Informationen über die „Mainzer Fastnacht“ in französischer Sprache durch das Museum.
Zum Abendessen gingen wir in das am Bahnhof gelegene Restaurant „Zenz Wirtshaus“. So war der Heimweg zum Hotel kurz und nach der langen Anreise war jeder froh, sich ausruhen zu können.
Am Donnerstag fuhren wir mit eigenen Pkw gleich nach dem Frühstück zum Römerkastell Saalburg. Wie überall entlang der Rheinlinie haben uns die Römer zahlreiche Spuren hinterlassen. Wir konnten um das Museumsgelände herum einen Weg an „Römischen Schanzen“, den „Limes“ und ausgegrabenen Gebäuderesten entlang gehen. Dann erwartete uns eine Führung durch das Museum. Die Mitarbeiter des Museums waren sehr engagiert und haben uns kurzfristig noch eine kompetente Führung in französischer Sprache möglich gemacht. Eine Mittagsmahlzeit konnten wir trotz kühler Temperaturen im Außenbereich der „Taverne“ einnehmen.
Doch wir mussten bald zurück ins Hotel, denn es wurden noch 5 deutsche Jumeleure erwartet. Nachdem auch diese ihre Zimmer bezogen und von uns begrüßt wurden, machten wir uns gleich auf den Fußweg zur St. Stephan Kirche. Wenn von Mainz die Rede ist, wird nicht, wie erwartet, zuerst vom „Dom“ gesprochen, sondern von der St. Stephan Kirche, die durch die „Chagall-Fenster“ berühmt ist. Nach anfänglichem Zögern fand sich Marc Chagall bereit, für die im Krieg zerstörte St. Stephan Kirche neue Fenster zu gestalten. Er konnte noch vor seinem Tod neun Fenster für die Kirche fertig stellen, obwohl er ihre Einweihung nicht mehr miterleben konnte.
Nachdem wir uns im „Augustinerkeller“ mit dem Abendessen gestärkt hatten, ging es zurück zum Hotel. Einige unternehmungslustige Jumeleure blieben noch in der schönen Altstadt, um in einer Weinstube einzukehren.
Für den Freitag stand Wiesbaden auf dem Plan. Mit dem Bus fuhren wir zur Stadtführung nach Wiesbaden. Wir hatten preiswerte Gruppenkarten und es klappte auch gut, dass wir alle in den gleichen Bus gelangten. Parkplätze in Mainz oder Wiesbaden zu finden ist schon eine Herausforderung und so sind die öffentlichen Verkehrsmittel die beste Alternative.
Für die Stadtführung gingen wir getrennt in zwei Gruppen in der jeweiligen Sprache durch die Stadt. Wiesbaden hatte seine Blüte als bekannter Badeort vor dem 1. Weltkrieg. Noch heute sprudelt heißes Wasser aus verschiedenen Brunnen in der Stadt. Unser Weg führte uns zum Kurpark, vorbei am „Hessischen Staatstheater“ zum Kurhaus und Casino. Das im neoklassizistischen Stil erbaute Kurhaus wurde 1907 von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht. Die Kurhaus Kolonnade gilt mit ca. 129 m als die längste Säulenhalle Europas. Sie wurde 1827 erbaut, heute befindet sich hier das „Kleine Spiel“ der Spielbank. Ein Platzregen hielt uns länger als beabsichtigt in der eindrucksvollen Halle des Kurhauses. Der weitere Weg führte uns an vielen imposanten Hotelbauten vorbei, die an die ehemals vielbesuchte Bäderstadt erinnern.
Nach der Stadtführung war Freizeit zur Erholung, zum Einkaufen oder zur Einkehr in das „Café Maldaner“, das einer Jumeleurin schon zu Hause von einem Nachbarn empfohlen wurde. Eine große Auswahl von verlockenden Kuchen und Torten, aber auch herzhaften Speisen stellte die Gäste zufrieden.
Am Nachmittag trafen wir uns wieder, um mit dem Bus zur Station der „Nerobergbahn“ zu fahren. Die Nerobergbahn ist denkmalgeschützt. Sie ist die älteste mit Wasserballast betriebene Drahtseil Zahnstangenbahn in Deutschland. Seit ihrer Eröffnung im Dreikaiserjahr 1888 rumpeln die beiden original erhaltenen Wagen in den leuchtenden Stadtfarben Blau und Gelb Wiesbadens Hausberg hinauf und hinunter. Oben angekommen bieten sich verschiedene Wanderwege, sowie vom Nerobergtempel ein herrlicher Weitblick über den Rhein bis zu den Höhenzügen des Odenwaldes. Unser Ziel aber war die Russisch-Orthodoxe Kirche der heiligen Elisabeth und der angeschlossene Russisch-Orthodoxe Friedhof. Leider mussten wir dafür wieder ein ganzes Stück den Neroberg auf der anderen Seite runter, aber der Blick auf und in die Kirche hat sich dafür gelohnt.
Die Kirche ist eine einzige Liebeserklärung des tieftrauernden Gatten Herzog Adolph von Nassau in Wiesbaden an seine im Kindbett verstorbene junge Ehefrau, die Großfürstin Elisaweta und zugleich eine Verneigung vor der russischen Kultur. In der kleinen Kirche mit fünf vergoldeten Zwiebelkuppeln sind die sterblichen Überreste Elisawetas und auch die ihres Kindes beigesetzt.
Zurück ging es wieder mit der Nerobergbahn oder auch zu Fuß zur Bushaltestelle. Nachdem wir wieder über den Rhein nach Mainz gefahren sind, haben wir das letzte Stück zum Restaurant „Rheinblick“ mit einem schönen Fußweg auf der Rheinpromenade abschließen können.

Am Samstag stand eine Stadtbesichtigung in Mainz auf dem Programm. Um 11 Uhr begannen wieder Führungen in 2 Gruppen in der jeweiligen Sprache. Die Gästeführer gaben Informationen über Gutenberg und machten uns auf viele besondere mittelalterliche kleine Häuser aufmerksam. Mainz wurde im Krieg stark zerstört und der Wiederaufbau ging nur langsam voran. Waren doch die finanzstärksten Stadtteile auf der anderen Rheinseite nach dem Krieg nach dem Willen der Alliierten Wiesbaden zugefallen.
Die Mittagspause konnte wieder individuell gestaltet werden. Verlockend war der große, am Samstag stattfindende Wochenmarkt. Unsere französischen Gäste waren von den Mengen an angebotenem Spargel und frischen Blumen beeindruckt.
Für den Nachmittag hatten wir die Besichtigung des Mainzer Doms gebucht. Mit uns waren viele Gruppen im Dom unterwegs und es war angenehm, auch noch in das kleine aber ruhige Dommuseum kommen zu können. Obwohl Mainz ein reiches Erzbistum war, sind leider nur wenige Schätze erhalten. Zur Zeit der Säkularisation sah sich der Erzbischof gezwungen viele Schätze zu verkaufen.
Mit dem Bus ging es für eine kleine Erholungspause zurück zum Hotel, um dann wieder mit dem Bus zu unserem Abendessen zu starten. Dafür ging es zum „Eisgrub-Bräu“. Es war ganz praktisch, dass in Mainz am ersten Samstag des Monats die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln frei ist.
Die Zeit verging wie immer wie im Flug. Wir haben uns gefreut, unsere Freunde wieder zu treffen und auch schon wieder Planungen für das nächste Jahr aufgenommen.
Am Sonntag nach dem Frühstück hieß es dann endgültig „Auf Wiedersehen“ zu sagen und allen eine gute Heimfahrt zu wünschen.
Alles Gute, au revoir, bis 2027 in Frankreich
Annelies Radermacher